Anti-Mensch
Auszug aus einer Kurzgeschichte namens "Anti-Mensch", die ich momentan verfasse. Vielleicht baue ich sie auch noch zu etwas Größerem aus, das weiß ich noch nicht sicher.
Dieser Text hier ist Bestandteil der Einleitung:
"Die Menscheit ist eine parasitäre, eiternde Pestbeule auf dem Antlitz der Erdoberfläche. Das Konzept ihrer Existenz schmeißt jegliche Vorstellung von Harmonie über den Haufen, da sie nicht kooperierend mit der Natur, sondern von ihr lebt.
Sie ist die Inkarnation eines Heuschreckenschwarms, der sich gefräßig und unersättlich an den natürlichen Ressourcen des Erdenleibs vergeht, sich skrupellos neue Wohnfläche für seine exponentiell heranwuchernde Brut aneignet und sich damit das höchsteigene Grab schaufelt.
Sie meuchelt sich gegenseitig mit ätzendem Giftgas, Bleigeschossen, Feuersbrünsten und chemischen Drogen nieder, und wer sich dessen nicht bewusst sein will, der quirlt seine matschige Hirnmasse im Nachmittagsprogramm der Fernsehsender durch den Weichspüler, bis alles nur noch aus fluffigen Marshmellows besteht.
Sie begeht staatlich anerkannten Holocaust an tierischen Lebewesen aller Art mit Folter, Vergewaltigung und Mord, und nennt das Viehzucht. Menschen sind eine Herrscher-Rasse. Sie thronen gebieterisch und selbstverliebt über allen atmenden Organismen, deren intellektuelle Kapazitäten nicht an ihre heranreichen, und definieren den Grund ihres Daseins allein im Nutzen für ihre eigene, verkommene Art.
Und wenn sie genug Verabscheuung in sich bunkern, dann projezieren sie diese eben auf ihre Artgenossen, sei es aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Religion, sexueller Gesinnung, Sprache oder Aussehen, die Vielfalt ist erschlagend.
Nicht zu ignorieren ist ihre omnipotente Gottheit, die bedruckten Papierfetzen und die schillernden Metallplättchen. Blinder Konsum und dummdreistes Werbungsvertrauen sind traditionelle Spezialitäten eines anständigen Steuerzahlers, den auch das Burnout-Syndrom nicht vom Malochen für einen absurden Hungerlohn abschreckt, während parallel 600 Millionen Menschen an Unterernährung krepieren und neureiche Unternehmer sich bereits das aktuellste Sportwagenmodel herauspicken.
Und wenn Krombacher erneut den Genozid an der Regenwaldvegetation in seine Werbetrommel stopft, dann wirkt der Horizont doch gleich viel sonniger, und jeder schnitzt sich das altbekannte Lächeln in die Fratze. Es ist ja nicht alles schlecht. Hier und da eine Fußball-WM, eine Olympiade, eine DSDS-Staffel, ein G8-Gipfel, und schon reibt sich das Volk die prallen Bäuche, und hält sein wohlverdientes Mittagsschläfchen. Utopischer könnte es kaum werden.
Ein Anti-Mensch verinnerlicht. Ignoranz ist seine Nemesis, und es pumpt ihm tagtäglich die Galle in die Speiseröhre, wenn er genug Freizeit zum Nachdenken hat, über diese Zusammenrottung von verachtenswürdigem Dreck. Er zerbricht innerlich an einer Gesellschaft, die sich einkugelt, wenn es ernst wird.
Denn dann steht er alleine und erkennt, in welcher Hölle er gefangen ist."
fleisch zu staub am 16. Dezember 10
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